04.04.26

365 Tage gesund

Am 4. April 2025 war der letzte Tag an dem ich krank oder verletzt war. Das bedeutet, dass ich seit genau einem Jahr nach fünf Jahren Schmerz und Leiden völlig gesund bin. Ich habe seit einem Jahr genau gar nix an Krankheiten oder Verletzungen gehabt. Kein Sturz mit dem MTB, keinen grippalen Infekt, keinen Husten, keine Grippe - nix!

Am 10.3.2020 begann meine Tour der Leiden: Ein schicksalsträchtiger Tag. Ab diesem Tag war ich dann mehr als FÜNF Jahre entweder verletzt oder krank. Diese entsetzliche Phase meines Lebens dauerte bis zum 4.4.2025 – an diesem Tag hatte ich das letzte Mal bis heute neuropathische Schmerzen in den Füssen.

Ich wollte am diesem 10.3.20 eine Runde nach Groisbach fahren, aber die Frau hat gemeint, ich sollte nicht immer dieselbe Tour fahren - also entschied ich mich für den Wienerwaldachter Richtung Dornbach.

Rauf zum Hanner, runter Richtung Heiligenkreuz und dann auf die Wienerwaldstrecke Richtung Dornbach. Bei der Brücke über den Dornbach passierte es dann: Ich machte noch einige Fotos für den Blog, wollte nach der Brücke bei einem kurzen Bergabstück schnell Schwung für das nächste Steilstück holen, das Hinterrad rutschte weg, ich fiel nach rechts, kam noch aus den Clips und lag im Schlamm.

Beim Versuch wieder auf das Rad zu steigen, kippte mir das rechte Knie mit einem unerträglichen Schmerz weg. Ich rief meine Frau an, mich bei dem Schranken in Heiligenkreuz abzuholen und humpelte auf das MTB gestützt circa drei Kilometer auf der Forststraße zum Schranken.

Die Frau hat mich sicher im Benz nach Hause gebracht. Bein hochlagern, Eis drauf - aber leider keine Besserung. Am nächsten Tag entschieden wir uns, mich ins Orthopädische Spital Speising zu bringen. 

Nach langen Diskussion am Empfang (wie zu erwarten) Aufnahme in die Akutambulanz und erste Untersuchung mit der Diagnose "Unhappy Triad". Das beschreibt die Kombination aus einem Riss des vorderen Kreuzbandes (lat. Ligamentum cruciatum anterius), des Innenmeniskus (Meniscus medialis) und des medialen Kollateralbandes (Innenband) (Ligamentum collaterale tibiale)). Röntgen der Kniescheibe mit Ausschluss eines Risses der Partellasehne und Bruchs der Kniescheibe.

Nach fünf Stunden in Speising bekam ich einen sogenannten "Immobilizer" verpasst und erhielt einen Termin in der Knieambulanz am 23.3. um 09:00 zu dem ich einen MRI-Befund mitbringen solle.

Die Suche nach einem MRI-Zentrum gestaltete sich schwierig, aber als zahlender Privatpatient (Euro 240,-) bekam ich sofort am 12.3. im Diagnosezentrum Dr. Rödler et al. in Mödling einen Termin.

Die vernichtende Diagnose in der Kurzfassung: Ruptur des vorderen Kreuzbandes, komplexe Ruptur des medialen Mensikus, meniskokapsulärer Einriss des lateralen Mensiskus, partielle Läsion des medialen Kollateralbandes, Fraktur am lateralen Femurkondyl, Knochenmarksödeme, Gelenkserguß....
..... und dann kam Corona.....

 Am 16.3. wurde der Ambulanztermin vom OSS telefonisch abgesagt nach dem Prinzip "don't call us, we don't call you" - und ich konnte ab dann mit meinem Immobilizer verrecken - ein Kollateralopfer von Corona halt.

Ich humpelte wochenlang mit der Schiene herum, die Muskeln wurden immer weniger, von einem Gangbild konnte man nicht sprechen - Quasimodo-Schlurfen in Reinkultur quasi.

Am 6.4. telefonierte ich mit einem Freund aus Tirol und wir sprachen auch über meine Situation. Er bat mich, ihm die MR-Bilder zu mailen, damit er sie dem Teamarzt des ÖSV zur Begutachtung weiterleiten könne. Ich erwartete mir davon genau gar nichts, aber schickte ihm die Bilder.

Eine Stunde später rief mich Dozent Dr. Christian Hoser aus Innsbruck an und damit wendete sich alles zum Guten. Innerhalb von einem Tag organisierte mir Doz. Hoser eine Ärztin in Mödling, mit der er die Unfallchirurgieausbildung gemacht hat. Bereits am 10.4. hatte ich einen Termin bei Frau Dr. Barbara Schwab.

Sie untersuchte mein Knie und verschrieb mir eine bewegliche Orthese (Secutec Genu) zuerst mit 60 Grad, zwei Wochen später dann mit 90 Grad, Inhixa und Reparil. Sie organisierte mir außerdem mit Olivia Linder eine Physiotherapeutin, die selbst in Covid-19-Zeiten mit MNS und Abstand Therapiestunden gab - ich hatte meine erste bereits am 14.4.

Olivia ist eine ganz tolle Therapeutin. Sie gibt einem Sicherheit und Vertrauen auch ohne Bänder im Knie wieder ein normales Leben führen zu können. Wir übten Gehen mit und ohne Orthese, ich bekam jede Menge Übungen und begann wieder zu trainieren, um den Muskelabbau umzukehren und Stabilität im Knie zu gewinnen.

Am 23.4. dann das erste Training am Crosstrainer. Ziel in dieser Phase war es, die Knochenödeme und Schwellungen am rechten Bein zu beseitigen und das Knie für eine eventuelle Operation vorzubereiten. Dr. Hoser operiert in Neu-Rum bei Innsbruck, die Grenzen zu Deutschland waren aufgrund der Pandemie gesperrt - wie kommt man nach Tirol, wie kommt man als operierter Krüppel zurück nach Mayerling?

Am 18.5. Termin bei Frau Dr. Schwab und Facetime-Meeting mit Dozent Hoser (Untersuchung des Knies, Gangbild) und die Entscheidung, den konservativen Weg ohne Operation zu versuchen. Am 19.5. Start des Trainings am Ergometer ohne Orthese und "Voigas" wie der Wiener sagt.

In wenigen Wochen bin ich 500 km am Ergometer gefahren. Intensives Training mit Gehen, Ergometer, Schwimmen und Krafttraining bis zur ersten Ausfahrt am MTB am 30.6.

Ich habe mich noch nie in meinem Leben so angeschissen wie vor dieser ersten Radtour nach über 100 Tagen Rekonvaleszenz. Mir sind immer neue Ausreden eingefallen - zu viel Wind, zu viel Regen, zu wenig Sonne - mimimimimimimimi.

Aber am 30.6. war es soweit. Alle Sensoren (Powermeter, Pulsgurt) mit allen Geräten (Edge 820 und fenix 6 pro) gepairt, Live-Track gestartet damit mich die Frau jederzeit überwachen kann und ab ging die Post.

9 km am Radweg von Mayerling nach Alland und dann nach Schwechatbach und retour. Es war die Hölle - Probleme beim Auf- und Absteigen, extreme Unsicherheit nach drei Monaten Radpause und bergauf fuhr ich nur mit dem Grannygear.

Erst acht Tage nach dieser Tour und therapeutischer Intervention traute ich mich auf eine weitere Ausfahrt und ab dann ging es bergauf. Ich steigerte die Zeit am Rad, ich steigerte die Höhenmeter, ich steigerte die Schwierigkeiten der offroad-Touren - immer lange Pausen zwischen den Touren. 

Sofort nach dem Duschen Bein hochlagern, Eis auflegen, an den Pausentagen alle gelernten Übungen brav durchführen und Schwimmtraining oder Aquajogging zum Muskelaufbau.

Am 20.7. dann der erste "Tausender" und im Juli habe ich die Strava-Climbing-Challenge mit 7.500 Höhenmeter geschafft. Es machte so viel Freude wieder in der Natur zu sein, auf Berge zu fahren und das Leben genießen. Bis ich komplett schmerzfrei war, hat es dann aber noch drei Jahre gedauert.


2020: Im März hatte ich meinen schweren MTB-Unfall mit Kreuzband-, Seitenband-, Innenband- und Meniskusriss und dazu noch eine Tibiakopf-Fraktur. Damit war das Sportjahr gelaufen und ich bin froh, dass ich durch den Unfall nicht zum Krüppel wurde.

2021: Bis Oktober Dauerschmerzen im kaputten rechten Knie und daher nur Micky-Maus-Touren. Im Sommer kam dann eine insuffizient behandelte Otitis-Externa dazu (ich wurde aber in der HNO-Ambulanz der Uniklinik St. Pölten gerettet), dann noch die sechs Wochen dauernden Nebenwirkungen einer Vierfachimpfung.

2022: Das erste Halbjahr war noch ganz ok, doch dann steckte mich ein Reisekamerad zuerst im Juni und dann noch ein zweites Mal im September in Nizza mit Corona an. Ab Juli post-covid und dann long-covid mit allen 225 Symptomen. 

Am Brutalsten waren die Herzrhythmus-Störungen und Palpitationen mit einem Ruhepuls von fast 100. Seit September in medizinscher Behandlung und unter kardiologischer Aufsicht. Zusätzlich zu long-covid streckte mich die zweite Ansteckung durch den Kumpel für fast 12 Wochen akut nieder. 

2023: Bis Mitte Juni dauerten die Symptome von long-covid an und ich konnte nur kurze Touren fahren. Dann wagte ich mich mit einem Radkollegen auf den Saisonhöhepunkt - die viertägige Paradiesroute im Burgenland und der Steiermark. 

Die Freude über meine gute Gesundheit dauerte nicht lange - am 22.Juli stieg ich barfuß auf eine Wespe und infizierte mir dabei den linken Fuß. Erfolglose Therapieversuche mit fünf verschiedenen Antibiotika im Wochenrhythmus kamen dann - der Spuk dauerte dann mehrere Wochen und damit war der Sommer vorbei. 

Erst ganz knapp vor einer Reise nach Nizza Anfang September wirkte endlich ein Antibiotikum - inzwischen war schon der Verdacht auf eine Osteomyelitis, der aber mittels Ultraschall und Röntgen ausgeschlossen werden konnte.

Bis 19. April 2024 ist es dann super gelaufen. Ich war auf Rekordkurs bei meinem wichtigsten Parameter, den Höhenmetern. Bis dahin hatte ich die meisten Höhenmeter YTD seit ich GPS verwende.

Ab dann ging es leider gesundheitlich wieder nur noch bergab. Ein Long-Covid-Schub nach dem anderen. Das Hauptproblem im Mai waren neuropathische Schmerzen abwechselnd in beiden Füssen, dazu Gingivitis und Gelenkschmerzen und chronic fatigue.

Dazu kamen Schmerzen in der knöchernen Struktur, vor allem im Steißbein - die längste Tour heuer war 3,7 Stunden und dabei bin ich vor Arschschmerzen fast gestorben. Im Juni kamen dann noch ohne Vorwarnung auftretende Schwindelanfälle dazu, die bei 60% aller Long-Covid-Patienten auftreten.

Der ganze Sommer war gesundheitlich nicht wirklich gut und auch im Herbst erholte ich mich nicht wirklich von dem Long-Covid-Mist.

Ab 21. November war ich eine Woche in der Türkei und entweder dort oder im Flieger nach Hause infizierte ich mich mit irgendwelchen Käfern und entwickelte eine Pneumonie. Dank Antibiotika-Gabe war die Lungenentzündung bald bekämpft, aber ich lag trotzdem mehr als drei Wochen im Bett und radtechnisch war das Jahr damit gelaufen.

Auch das Jahr 2025 begann mit neuropathischen Schmerzen abwechselnd in beiden Füssen bis zum Antritt meiner Long-Covid und Adipositas-Reha in Bad Gleichenberg am 26.3. Mit Lidocain-Pflastern auf beiden Füßen trat ich die Reha an.

Die Hochton-Therapie, von der ich mehrere Einheiten pro Woche erhielt zeigten eine tolle Wirkung und am 4.5.2025 entfernte ich die Versatis-Pflaster. Seit diesem Tag bin ich völlig gesund.



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